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Sonstige

Netzwerktechnik in der Veranstaltungstechnik

💡 Zusammenfassung: Die Netzwerktechnik in der Veranstaltungstechnik beschreibt die Nutzung von IT-Netzwerkinfrastrukturen (Ethernet, IP-basierte Netzwerke) zur Übertragung von Audio-, Video-, Licht- und Steuerdaten bei Live-Events, Theaterproduktionen und Festinstallationen.

Während früher analoge Multicore-Kabel und dedizierte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen (wie DMX für Licht oder SDI für Video) der Standard waren, werden heute nahezu alle Gewerke über standardisierte IT-Netzwerke gebündelt. Dies spart Gewicht, erhöht die Flexibilität und ermöglicht komplexe, gewerkeübergreifende Steuerungen.

1. Anwendungsbereiche und Protokolle

Die verschiedenen Gewerke der Veranstaltungstechnik nutzen spezifische Netzwerkprotokolle, die auf geringe Latenz und hohe Zuverlässigkeit optimiert sind.

🎧 1.1 Audio over IP (AoIP)

Die Übertragung von unkomprimierten Audiodaten in Echtzeit ist einer der wichtigsten Treiber der Netzwerktechnik im Eventbereich.

  • Dante (Audinate): Das derzeit verbreitetste proprietäre Protokoll. Es bietet automatische Geräteerkennung und sehr geringe Latenzen.
  • AES67: Ein offener Standard für Audio over IP, der die Interoperabilität zwischen verschiedenen Protokollen (wie Dante, RAVENNA und Livewire) sicherstellt.
  • RAVENNA: Ein offener Standard, der besonders im Broadcast-Bereich verbreitet ist und hochgradig anpassbar ist.

🎥 1.2 Video over IP

Videodaten benötigen aufgrund ihrer Größe enorme Bandbreiten, weshalb hier oft Glasfasernetzwerke oder Netzwerke mit 10-Gigabit bis 100-Gigabit-Infrastruktur zum Einsatz kommen.

  • NDI (Network Device Interface): Entwickelt von NewTek. Es komprimiert Videodaten leicht (visuell verlustfrei), sodass sie über Standard-Gigabit-Netzwerke übertragen werden können. Sehr beliebt im Live-Streaming und bei Corporate Events.
  • SMPTE ST 2110: Ein Standard für unkomprimiertes Video, Audio und Metadaten über IP, hauptsächlich genutzt in großen Broadcast-Studios.
  • SDVoE (Software Defined Video over Ethernet): Nutzt 10G-Netzwerke für unkomprimierte 4K-Videoübertragung mit Latenzen im Mikrosekundenbereich.

💡 1.3 Lichtnetzwerke

DMX512 ist der Standard für Lichtsteuerung, ist jedoch auf 512 Kanäle pro Kabel begrenzt. Netzwerkprotokolle übertragen tausende von "DMX-Universen" über ein einziges Netzwerkkabel.

  • Art-Net: Überträgt DMX-Daten über UDP/IP. Es ist lizenzfrei und weit verbreitet, erzeugt als Broadcast-Protokoll in älteren Versionen jedoch viel Netzwerklast.
  • sACN (Streaming ACN): Eine Weiterentwicklung (ANSI E1.31), die Multicast nutzt. Netzwerke werden dadurch weniger belastet, da Daten nur an die Geräte geschickt werden, die sie auch benötigen.
  • MA-Net: Ein proprietäres Protokoll des Herstellers MA Lighting für die Kommunikation zwischen deren Pulten, NPU (Network Processing Units) und Nodes.

🎛️ 1.4 Steuerung und Show Control

  • OSC (Open Sound Control): Ein offenes, netzwerkbasiertes Nachrichtenprotokoll zur Steuerung von Synthesizern, Lichtpulten und Medienservern.
  • Netzwerk-MIDI: Übertragung von MIDI-Befehlen (z. B. für Timecode-Synchronisation) über IP.

2. Hardware und Infrastruktur

Da Event-Netzwerke hochverfügbar und echtzeitfähig sein müssen, unterscheidet sich die Hardware teilweise von typischen Office-IT-Systemen.

KomponenteBesonderheiten in der Veranstaltungstechnik
SwitchesEs werden fast ausschließlich Managed Switches verwendet (z. B. von Cisco, Luminex oder Netgear AV-Line). Sie erlauben die Konfiguration von VLANs, IGMP-Snooping (wichtig für Multicast wie sACN und Dante) und QoS.
KupferkabelMindestens Cat5e, heute Standardmäßig Cat6a oder Cat7. Häufig kommen robuste Tour-Kabel (z.B. mit EtherCON-Steckern von Neutrik) zum Einsatz, die trittfest und für den rauen Bühnenalltag ausgelegt sind.
Glasfaser (LWL)Für Strecken über 100 Meter zwingend erforderlich (z. B. vom FOH-Platz zur Bühne). Es werden oft robust ummantelte Multimode- oder Singlemode-Kabel mit OpticalCON-Steckern verwendet.
PoE (Power over Ethernet)Wird intensiv genutzt, um Stageboxen, Kameras, Intercom-Systeme oder WLAN-Access-Points über dasselbe Kabel sowohl mit Daten als auch mit Strom zu versorgen.

3. Besondere Anforderungen im Eventbereich

Im Gegensatz zu klassischen Büronetzwerken, wo das kurze Warten auf den Aufbau einer Website akzeptabel ist, führt ein Datenstau in der Veranstaltungstechnik zu sicht- oder hörbaren Fehlern.

  • 🚦 QoS (Quality of Service): PTP-Clock-Daten (Precision Time Protocol, zur Synchronisierung) und Audiodaten müssen im Switch die höchste Priorität erhalten.
  • 🔄 Redundanz: Ausfallsicherheit ist kritisch. Viele Systeme (wie Dante) arbeiten mit einem Primary und einem Secondary Netzwerk. Fällt das Hauptnetzwerk aus, schaltet das System ohne spürbare Unterbrechung um.
  • 🗂️ VLANs (Virtual Local Area Networks): Um zu verhindern, dass Licht-, Audio- und Videodaten sich gegenseitig stören, werden sie auf einem physischen Switch in isolierte, logische Netzwerke (VLANs) aufgeteilt.